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Martin Luther: Warum man Erzieher braucht
Bericht der Wetzlarer Neuen Zeitung über den Luther-Wettbewerb
Unter dem Motto
"WER KENNT DIESEN MANN?"
fand im Schuljahr 1995/96 ein Preisausschreiben statt, das der Fachbereich Religion veranstaltete. Das Interesse der Schülerinnen und Schüler
war zunächst nicht gering. In vielen Unterrichtsstunden war das nicht
gerade bekannte Bild des Reformators Martin Luther Gegenstand des Gesprächs.
Aus jeder Stufe kamen Arbeiten ins Sekretariat. Für die Jury war es
nicht leicht, die Sieger zu ermitteln, denn alle waren hinter dem Hauptpreis
her, einem CD-Portable. Aber auch die anderen Preise waren verlockend:
Gutscheine für CD's, Bücher und Freikarten für die Lahn-Dill-Therme
"Laguna" in Aßlar. Alle Preise hat uns der Schulelternbeirat gestiftet,
dem wir auf diesem Weg nochmals herzlich danken.
Und das waren die Gewinner:
Sabrina Engelmann (6F2) ging mit ihrer Arbeit als Gesamtsiegerin hervor.
Gutscheine für CD's und Bücher erhielten:
Florian Turbanisch (6F3), Stephanie Behrend (7S4),
Yvonne Pflughöft (9S2), Julia Rau (10S2),
Patricia Wylensek (6F2), Martin Pfeffer (8S5).
Freikarten zur Laguna gewannen:
Jana Balukewitsch (6F2), Julia Metzler (6F3),
Katharina Wahl (6F4) und Andreas Krutsch (7S4).
Allen nochmals ein Dankeschön und einen herzlichen Glückwunsch!
An dieser Stelle möchten wir einige Auszüge aus den abgegebenen Arbeiten zeigen.
Sabrina Engelmann hat einen langen persönlich gehaltenen Brief an Luthers Frau Käthe geschrieben:
Liebe Käthe,
es tut mir unendlich leid, daß mich Martins Todesnachricht beinahe 17 Monate zu spät erreichte. Ich kann mir vorstellen, wie traurig und einsam Du Dich fühlst und hätte Dich in dieser schweren Zeit gerne begleitet. Der Herr sei mit Dir und halte seine schützende und tröstende Hand über Dich und über Eure Kinder, Johann, Martin junior, Paul und Margarete. Du weißt, wie gerne Martin sich alles von der Seele redete: Mit Dir sprach er stundenlang, mir schickte er lange nachdenkliche Briefe. Als ich die traurige Botschaft von Martins Tod endlich erhielt, holte ich aus der Truhe seine vielen Briefe, Druckblätter, Zeichnungen, Schriften und Dokumente heraus. Lange Stunden rief ich alles, was geschehen war, in Erinnerung. Ich entsinne mich, als wäre es gestern gewesen...
... Besonders erinnere ich mich an seine Werke: "Sermon von dem Ablaß und der Gnade", welches eines eine der reformatorischen Hauptschriften war, "An den christlichen Adel deutscher Nation", mit "Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche" griff er die Sakramentslehre auf, und "Von der Freiheit eines Christenmenschen" sprach er über die Freiheit, die das Evangelium den Menschen bringt. Ich glaube, es wäre bestimmt einiges anders verlaufen, wenn es nicht Johannes Gutenbergs neue Drucktechnik gegeben hätte. Mag sein, daß ich mich irre, aber meiner Meinung nach wurde das Wort eines einzelnen noch nie so schnell verbreitet. Dann begann der große Krach!...
... Natürlich wurde er jetzt ganz aus der Kirche geschmissen und wurde ein Vogelfreier. Es fiel mir ein Stein vom Herzen, als ich erfuhr, daß euer Kurfürst, Friedrich, genannt der Weise, sich weigerte, Martin nach Rom auszuliefern...
... Was für ein Glück, daß der Maler Lucas Cranach, der ja ein so dicker Freund Martins war, so viele Portraits von Euch beiden anfertigte, daß sich Eure Nachkommen ein Bild von Euch machen können. Ich füge ein paar Miniaturen bei, die Lucas und andere Künstler mir zukommen ließen. Ich bin sicher, Du wirst Dich an deren Anblick sehr erfreuen...
...Falls Du Hilfe brauchst, auch finanzieller Art, laß es mich bitte wissen, ich bin immer für Dich da. Nimm Dich sehr in acht vor der bösen Pest, ich glaube, sie treibt sich in Eurer Umgebung herum!
Möge der Herr uns ein baldiges Wiedersehen bescheren
Dir treu ergeben
Deine Sabrina Engelmann
In der Arbeit von Patricia Wylensek befindet sich eine persönliche Würdigung:
Was mir an Luther gefällt und was mir an ihm nicht gefällt!
Mir gefällt es, daß Luther den Einfachen sowie dem Adel gezeigt hat, daß jeder Gott auf seine Weise finden kann und daß die Leute keine Ablaßzettel von der Kirche kaufen müssen. Und mir gefällt es, daß er den Leuten sagte, daß Gott nicht auf die Sünden, sondern auf den Glauben eines jeden schaut. Was mir an Luther nicht gefällt, ist das, daß er den Bauern beim Bauernkrieg am Ende nicht geholfen hat. Am meisten aber gefällt mir, daß er sein Versprechen, Mönch zu werden, gehalten hat.
Julia Metzler hat u.a. einen Brief an Martin Luther geschrieben:
Sehr geehrter Martin Luther!
Ich bewundere Dich wirklich sehr. Ich glaube kein anderer als Du hätte es gewagt, am 17. und 18. April 1521 sich vor den Kaiser Karl V. zu stellen und gegen ihn auszusagen. Und dann bist Du auch noch von Deinem Landesherrn, Friedrich dem Weisen, auf die Wartburg entführt worden. Aber ich denke, es war besser für Dich, sonst wäre Dir vielleicht noch etwas passiert. War es da nicht langweilig? Gut finde ich, daß Du da als Junker Jörg die Bibel ins Deutsche übersetzt hast. Das ist eine Geschichte von Dir, die ich sehr spannend fand.
Das mit der Reformation finde ich auch gut. Du hast, obwohl Du katholisch warst, die evangelische Kirche aufgebaut. Das finde ich prima. Wenn Du damals nicht gewesen wärst, wäre ich heute nicht evangelisch.
Daß Du nicht nur gepredigt hast, sondern auch Lieder (manchmal auch mit Deiner Frau Katharina) geschrieben hast, ist auch toll. Eins davon kenne ich, und diese eine Strophe gefällt mir besonders gut:
Mit unsrer Macht ist nichts getan, wir sind gar bald verloren,
es streit für uns der rechte Mann,
den Gott selbst hat erkoren.
Fragst Du, wer er ist?
Er heißt Jesus Christ,
der Herr Zebaoth,
und ist kein andrer Gott,
das Feld muß er behalten.
Das war die 2. Strophe Deines Reformationsliedes.
Schade, daß Du nur von 1483 - 1546 gelebt hast und nur 63 Jahre alt geworden bist, wir könnten Dich heute sicher gut gebrauchen.
Deine Julia Metzler
Sehr geehrter Herr Luther!
Nachdem ich mich nun ausführlich mit Ihrem Leben befaßt habe, muß ich Ihnen mitteilen, daß ich es sehr beeindruckend finde.
Es ist bewundernswert, daß Sie trotz vieler Hindernisse immer fester an sich und Ihre Lehre geglaubt haben und daß Sie nie Ihren Glauben an Gott verloren haben. Lobenswert ist auch, daß Sie Ihr Gelübde, Mönch zu werden, wenn das Gewitter Sie verschont, eingehalten haben. Andere hätten das wohl nicht getan, da das Mönchsleben doch viele Opfer verlangt. Wenn ich richtig informiert bin, war Ihr Orden ja wohl ein katholischer. Was haben Ihre "Mitbewohner" von Ihnen gedacht, als Sie die Thesen verbreitet haben? Schlug Ihnen viel Ablehnung entgegen, oder konnten Sie auch andere Mönche für sich gewinnen?
Eigentlich sollte ich Ihnen ja jetzt noch mitteilen, was mir an Ihnen nicht so gefällt, aber so spontan fällt mir nichts dazu ein. Natürlich gibt es auch Mißstände in der evangelischen Kirche heute, da oft noch an überholten Vorstellungen festgehalten wird, aber dafür kann man Sie wohl nicht verantwortlich machen.
Ach ja, noch eine Sache, das Lied "Ein feste Burg ist unser Gott" ist wirklich sehr schwer auswendig zu lernen, deshalb meine ich, hätten Sie es wirklich nicht schreiben müssen, weil auch zwei Jahre nach meiner Konfirmation die jetzigen Schüler immer noch damit gequält werden.
Hochachtungsvoll
Julia Rau
Lieber Martin Luther!
Ich bewundere Deinen Mut und Deine Gottesfurcht. Du hast recht: Seine Sünden muß man vor Gott bekennen. Man kann sich nicht mit dem Kauf eines Zettels von seinen Sünden freikaufen. Wenn wir unsere Sünden bekennen, wird Gott uns sie in seiner Güte und Liebe vergeben.
Du hast recht: Auch der Papst ist nur ein Mensch, und auch Menschen können irren. Sei weiterhin mutig und vertrete auch mutig Deine Thesen auf dem Reichstag zu Worms.
Du hast feste Glaubensgrundsätze, die Dich in Deinem Handeln bestärken. Vielen Menschen zeigst Du den richtigen Weg zum Evangelium und zum christlichen Glauben.
Wir stehen fest zu Dir: Dein Lebensweg als Mönch und Prediger, Dein Leben mit den einfachen Menschen geben Dir Kraft, Deine Thesen und Meinung auch vor dem höchsten Gericht in Worms zu vertreten.
Mit Deinen Thesen an der Schloßkirche in Wittenberg hast Du uns die Augen geöffnet und den richtigen Weg zum christlichen Glauben aufgezeigt.
Dein Martin
Diese kurzen Auszüge aus einigen Arbeiten mögen genügen. Wer alles lesen möchte, kann sich die Arbeit von den Preisträgern ausleihen.
Noch ein kurzer Hinweis zum Schluß:
Der Superintendent unseres Kirchenkreises, Pfr. Dieter Abel, hatte wohl von unserer Aktion erfahren und nimmt sie sogar in seinen diesjährigen Superintendentenbericht mit den Worten auf: "Auch in diesem Jahr ließen sich Gemeinden besondere Dinge einfallen. Ich greife aus der Fülle heraus: ... den Luther-Wettbewerb unter Schülern an der Gesamtschule Ehringshausen ..."
Wir denken, es ist für alle Beteiligten schön zu erfahren, wenn eine kleine Aktion über die schulischen Grenzen hinaus Beachtung findet!
Das macht Mut!
GREIF -
Schulzeitung der Gesamtschule Ehringshausen
Schuljahr 1996/97, Nr. 1
Es ist freilich eine Sünde und Schande, daß es mit uns so weit gekommen ist, daß wir erst anspornen und uns anspornen lassen müssen, unsere Kinder und unser junges Volk zu erziehen und ihr Bestes zu bedenken, während doch die Natur selbst uns dazu treiben und auch das Beispiel der Heiden es uns vielfältig zeigen sollte.
Es gibt kein unvernünftiges Tier, das nicht für seine Jungen sorgt und sie lehrt, was ihnen gebührt, außer dem Strauß, von dem Gott sagt (Hiob 39,14.16), daß er gegen seine Jungen so hart ist, als wären sie nicht sein, und seine Eier auf der Erde liegen läßt. Was hülfe es, daß wir sonst alles hätten und täten und wie reinen Heilige wären, wenn wir das unterlassen hätten, wofür wir hauptsächlich leben, nämlich uns des jungen Volkes anzunehmen? Ich meine auch, daß die welt von keiner der äußerlichen Sünden so schwer belastet ist und so greuliche Strafe dafür verdient, wie eben von dieser, die wir an den Kindern begehen, indem wir sie nicht erziehen. (...)
Daß es durch die Eltern nicht geschieht, hat mancherlei Ursachen:
Zum ersten sind etliche einfach nicht so rechtschaffen und pflichtbewußt, daß sie es täten, obgleich sie es könnten. Sondern wie die Strauße verhärten sie sich sogar gegen ihre Jungen und lassen's dabei bewenden, daß sie die Eier von sich geworfen und Kinder gezeugt haben - mehr tun sie nicht dafür. Nun, diese Kinder sollen ja doch unter uns und bei uns leben in einer gemeinsamen Stadt. Wie soll denn nun Vernunft und insbesondere christliche Liebe es dulden, daß sie unerzogen aufwachsen und für die anderen Kinder Gift und Geschmeiß sind, wodurch zuletzt eine ganze Stadt zugrunde geht? (...)
Zum zweiten ist die große Mehrheit der Eltern leider unfähig dazu und weiß nicht, wie man Kinder erziehen und lehren soll. Denn sie haben selbst nichts gelernt, als den Bauch zu versorgen; es gehören aber besondere Leute dazu, Kinder gut und recht zu lehren und zu erziehen.
Zum dritten: Auch wenn die Eltern dazu fähig wären und es gerne selbst tun wollten, haben sie doch vor anderen Geschäften und der Haushaltung weder Zeit noch Raum dazu, so daß die Not dazu zwingt, gemeinsame Erzieher für die Kinder zu halten. (...)
Und so berichtete die Wetzlarer Neue Zeitung:
Ehringshausen (dr). Aus Anlaß des 450. Todestages des Reformators Martin Luther hatte der Fachbereich Religion der Gesamtschule Ehringshausen einen Wettbewerb ausgeschrieben. Als stolze Gesamtsiegerin konnte Sabrina Engelmann jetzt den ersten Preis entgegennehmen.
Die Idee für die außergewöhnliche Ausschreibung war dem Religionslehrer Lothar Lippert, gekommen, als er ein sehr seltenes Bild von Martin Luther in einer Zeitschrift fand. Dieses Bild veröffentlichte er und fragte, wer dieser Mann sei.
Attraktive Preise spornten die Schüler zusätzlich zum Thema an. So ist die Gesamtsiegerin Sabrina Engelmann jetzt stolze Besitzerin eines CD-Spielers. Sie hatte sich besonders viel Mühe gegeben und einen Brief aus der Gegenwart an Luthers Ehefrau Käthe verfaßt, in dem sie sehr originell über das Leben eines Reformators berichtete.
Aus den Klassen 7 und 8 hatte Stephanie Behrendt die beste Arbeit abgeliefert. Yvonne Pflughöft gewann den ersten Preis der Jahrgangsstufen 9 und 10. Weitere acht Teilnehmer wurden für ihre Arbeiten mit Preisen belohnt, die allesamt vom Elternbeirat der Gesamtschule Ehringshausen gestiftet worden waren.
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