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Jeden Montag um 14 Uhr in der Gesamtschule Ehringshausen

Drei ältere Herren machen Schüler mit dem traditionellen Druckhandwerk bekannt

Von Michael Schmutzer

Wetzlar/Ehringshausen. Gott grüß' die Kunst - Meister und Gesell'. Das ist der typische Gruß unter Berufstätigen des Buchdruckerhandwerks, klärt Hanswilhelm Pronchow auf. Der 77-jährige leitet mit seinen Kollegen Helmut Butz und Axel Hanh die Arbeitsgemeinschaft Schuldruckerei an der Gesamtschule Ehringshausen. Jeden Montag um 14 Uhr treffen sich etwa ein halbes Dutzend Schüler in den Werkräumen der Schule, um das althergebrachte Druckhandwerk zu erlernen.

Helmut Butz, Hanswilhelm Prochnow und Axel Hahn an der Abziehpresse.
Die Leiter der Schuldruckerei in Ehringshausen demonstrieren Druckhandwerkskunst an der Abziehpresse. In der Benutzung dieser und weiterer Gerätschaften werden die Schüler der AG Schuldruckerei fachgerecht eingewiesen von Helmut Butz, Hanswilhelm Prochnow und Lehrer Axel Hahn (von links).

Die Idee zur AG hatten Hahn und Prochnow. Beide haben im Werdorfer Museum eine kleine Druckerei aufgebaut. Hahn war Vorsitzender des Vereins für Heimatgschichte in Werdorf, der das Museum trägt. Gleichzeitig ist der Werdorfer Lehrer und Fachbereichsleiter für Deutsch an der Gesamtschule Ehringshausen. So kam man an auf den Gedanken, Ähnliches auch im polytechnischen Unterricht für interessierte Schüler anzubieten. Denn auch die jährlichen Fahrten des fünften Schuljahres ins Gutenbergmuseum nach Mainz vermittelten keinen ausreichenden Einblick in das Druckhandwerk.

Gemeinsam mit dem heute 79-jährigen Butz begannen Hahn und Prochnow die Sache ins Rollen zu bringen. Die notwendigen Gerätschaften erwarb das Drei-Mann-Team, dem zeitweise auch der jetzige Niederweidbacher Grundschuldirektor Manfred Killmer angehörte, günstig von Druckereien, die ihren Betrieb eingestellt hatten.

Finanzielle Hilfe kam dabei vom Förderverein der Gesamtschule. Ehringshäuser Betriebe unterstützen das Engagement ebenfalls großzügig und legten teilweise selbst Hand an beim Restaurieren der alten Maschinen.

Zur Verfügung steht der AG eine Setzmaschine vom Typ Linotype, die etwa Anfang der 50er Jahre gebaut wurde. In eineinhalb Jahren wurde die ursprünglich noch über Lochband gesteuerte Maschine entrostet und einsatzfähig gemacht. Sie stammt übrigens aus den Altbeständen der Druckerei im Wetzlarer Pressehaus.

Die Setzmaschine stellt maschinell den Satz her, der in der Setzerei weiterverarbeitet wird. An diesem Gerät dürfen die Schüler allerdings nicht arbeiten, da der Betrieb zu gefährlich ist. Die Schüler machen den Satz ganz von Hand. Im Setzkasten liegt die benötigte Schrift - eine Holz- oder Bleischrift. Für jeden Buchstaben und jedes Satzteilchen gibt es ein kleines Metallstück, selbst für den Leerraum zwischen den einzelnen Wörtern. Hier werden die Buchstaben aneinandergereiht und zu einer Zeile zusammengesetzt. Die Schüler haben so bereits Namensschilder, Osterglückwünsche, Plakate für den Schulbedarf und Grußkarten gesetzt und gedruckt.

Ganzer Stolz ist ein Geburtstagskalender, der entsprechend schnell vergriffen war. Eine zweite Auflage ist in Auftrag.

Weiter besitzt die Druckerei eine Abziehpresse (Handdruckmaschine). Die Apparatur kann großformatige Plakate drucken. Neueste Anschaffung ist ein Boston-Tiegel, eine Druckmaschine, die in den 30er Jahren gebaut wurde, schrottreif war und in mühevoller Kleinarbeit in Stand gesetzt wurde. Sie druckt bis zum Format A4.

Prochnow will mit seinem Engagement die Erinnerung an die untergehenden Berufe wachhalten. "Die Kunst verschwindet langsam. Ich möchte ein klein bisschen Romantik erhalten und weitergeben." Auch der in Künzelsau im Schwabenland aufgewachsene Butz, der sehr an seinem Beruf hing, bedauert: "Der PC macht unseren Beruf zunichte." Der Fortschritt sei zwar nicht aufzuhalten, das althergebrachte Handwerk sei aber eine wertvolle Kunst, die den Interessierten nicht mehr losließe.

Sowohl Prochnow als auch Butz erwarben ihre Kenntnisse bei der Wetzlarer Neuen Zeitung. Dort arbeiteten sie lange Jahre als Schriftsetzer.

Lehrer Hahn schätzt an den beiden Männern vom Fach, dass sie den jungen Menschen vermitteln können, wie man mit Freude, Sorgfalt und Umsicht arbeiten kann. "Sie zeigen in wohltuender Weise, dass Fachleute die schulische Arbeit unterstützen und erweitern können."

Seit mittlerweile fünf Jahren sind die beiden ehrenamtlich für die Schule aktiv. Gemeinsam mit Hahn hoffen sie, mit Julia Klaas, derzeit Referendarin für Arbeitslehre, eine langfristige Verstärkung im Team zu behalten. Klaas beschäftigt sich mit Buchbindearbeiten, so dass die Druckerei mittlerweile in der Lage ist, ein komplettes Buch zu erstellen. Im nächsten Jahr, wenn alles klappt, könnte ein Volkshochschul-Kurs angeboten werden, schaut Hahn optimistisch in die Zukunft.

Sein größter Wunsch ist ein größeres Engagement seiner Lehrerkollegen. Selbstverständlich können auch interessierte Eltern mitmachen. Informationen erteilt Axel Hahn unter Tel. (06443) 77014.

Quelle: Wetzlarer Neue Zeitung, 28.05.2001


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